Radon in der Schweiz: Radonkarte, Referenzwert und wie Sie richtig messen
Radon ist unsichtbar, geruchlos und nach dem Rauchen die wichtigste Ursache für Lungenkrebs in der Schweiz. Ob Ihr Haus betroffen ist, zeigt nur eine Messung. Hier erfahren Sie, wie Sie vorgehen.
- Radon verursacht in der Schweiz gemäss BAG jährlich 200 bis 300 Todesfälle durch Lungenkrebs.
- Für Räume, in denen sich Personen regelmässig aufhalten, gilt ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter im Jahresmittel.
- Die Radonkarte zeigt die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung, ersetzt aber keine Messung. Erhöhte Werte gibt es in allen Regionen.
- Eine anerkannte Messung dauert mindestens 90 Tage während der Heizperiode von Oktober bis März.
Was ist Radon und wie gelangt es ins Haus?
Radon ist ein natürliches, radioaktives Edelgas. Es entsteht im Boden beim Zerfall von Uran, das in Gesteinen in der ganzen Schweiz vorkommt. Durch Risse, Fugen, Leitungsdurchführungen und Naturböden dringt es ins Gebäude ein.
Weil warme Raumluft im Haus aufsteigt, entsteht im Untergeschoss ein leichter Unterdruck. Er saugt Bodenluft regelrecht an. Deshalb sind die Werte im Keller und im Erdgeschoss meist am höchsten, besonders im Winter. Über Treppenhäuser und Schächte verteilt sich das Gas bis in die Wohnräume.
Wie gefährlich ist Radon?
Beim Zerfall von Radon entstehen radioaktive Folgeprodukte. Sie lagern sich beim Einatmen im Lungengewebe ab und bestrahlen es. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beziffert die Folgen auf 200 bis 300 Todesfälle pro Jahr in der Schweiz. Radon ist damit nach dem Rauchen die wichtigste Ursache für Lungenkrebs.
Das Risiko steigt mit der Höhe der Belastung und mit der Zeit, die Sie in belasteten Räumen verbringen. Zwischen Belastung und Erkrankung können Jahre bis Jahrzehnte liegen. Wer raucht, hat ein zusätzlich erhöhtes Risiko.
Referenzwert und Schwellenwert in der Schweiz
Seit 2018 gilt in der Schweiz der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³). Er ersetzte den früheren Grenzwert von 1'000 Bq/m³ für Wohnräume. Wird der Referenzwert überschritten, muss der Gebäudeeigentümer die nötigen Sanierungsmassnahmen auf eigene Kosten einleiten. Die Fristen regelt die Wegleitung Radon des BAG, für den Vollzug sind die Kantone zuständig.
| Wert | Gilt für | Bedeutung |
|---|---|---|
| 300 Bq/m³ | Räume, in denen sich Personen regelmässig mehrere Stunden pro Tag aufhalten | Referenzwert gemäss Strahlenschutzverordnung, Jahresmittel |
| 1'000 Bq/m³ | Radonexponierte Arbeitsplätze | Schwellenwert, ab dem die Strahlendosis der Mitarbeitenden ermittelt werden muss |
Radonkarte Schweiz: Risikogebiete erkennen
Die Radonkarte des BAG zeigt für jede Region, wie wahrscheinlich eine Überschreitung des Referenzwerts in einem Gebäude ist. Sie finden sie unter radonkarte.ch. Zusammen mit dem Radon-Check des BAG erhalten Sie eine Einschätzung, wie dringend eine Messung in Ihrem Gebäude ist.
Als besonders belastet gelten Teile der Alpen und des Juras. Die Karte ist aber nur ein Anhaltspunkt. Ob Radon in ein Gebäude gelangt, hängt stark von der Bauweise ab: Naturböden, Risse in der Bodenplatte, offene Schächte oder ein unbeheizter Keller. Überschreitungen kommen in allen Regionen der Schweiz vor, auch im Mittelland.
Radon messen: So gehen Sie vor
Eine verlässliche Aussage liefert nur eine Messung. Es gibt zwei Arten:
Langzeitmessung mit Dosimetern: Kleine passive Messgeräte werden mindestens 90 Tage während der Heizperiode zwischen Oktober und März ausgelegt und danach im Labor ausgewertet. Für eine offiziell anerkannte Radonmessung braucht es eine vom BAG anerkannte Messstelle.
Kurzzeitmessung mit elektronischen Geräten: Zeitauflösende Messgeräte zeigen innert weniger Tage einen ersten Wert und den Verlauf über Tag und Nacht. Sie eignen sich zur raschen Einschätzung, etwa vor einem Hauskauf, oder zur Kontrolle nach einer Sanierung.
Tipps für eine aussagekräftige Messung:
- Messen Sie in Räumen, in denen Sie sich oft aufhalten, und zusätzlich im Keller.
- Platzieren Sie die Geräte nicht direkt am Fenster, an der Aussenwand oder neben der Heizung.
- Verschieben Sie die Messgeräte während der Messung nicht.
- Lüften und heizen Sie wie gewohnt.
Radon reduzieren: Lüftung statt Grosssanierung
Liegt der Wert über dem Referenzwert, gibt es mehrere Wege. Bauliche Massnahmen wie das Abdichten von Bodenplatte und Durchführungen oder eine Absaugung unter dem Gebäude sind wirksam, aber aufwendig.
Oft lässt sich die Belastung mit einer gezielten Radonlüftung senken. Sie führt radonhaltige Luft kontrolliert ins Freie ab und hält sie von den Wohnräumen fern. Eine solche Lüftung kostet in der Regel rund einen Viertel einer baulichen Radonsanierung und zeichnet die Werte laufend auf.
Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt die Fallstudie Schulhaus Hitzkirch: Nach einem Jahr gab der Radonexperte die Schulräume als unbedenklich frei.